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«Mordor: Shadow of War»: Blutig, vollgepackt mit Action, aber etwas überladen

«Shadow of Mordor» war der Überraschungshit von 2014. Der Nachfolger doppelt nach und hat ausgebaut, wo es nur ging. Grössere Welt? Check. Mehr Fähigkeiten? Check. Mehr Orcs? Check. Leider ist mehr nicht automatisch besser.

Orcs schnätzeln wird niemals alt. Nicht, wenn es so viel Spass macht wie in «Mordor: Shadow of War». Die hässlichen Fratzen mit ihren faulen Sprüchen einen Kopf kürzen machen, gehört auch im zweiten Teil zu deinen Hauptbeschäftigungen. Allerdings hat Entwickler Monolith dank des Erfolgs des Erstlings massiv aufgestockt. Die Welt ist grösser, abwechslungsreicher und es gibt viel mehr zu tun – etwas zu viel.

In «Shadow of War» spielst du den Ranger Talion, der mit dem Geist und Elbenschmied Celebrimbor verbunden ist. Dieser verleiht ihm übermenschliche Kräfte, was sich im Kampf gegen Saurons Horden als überaus nützlich erweist. Das Spiel ist zeitlich zwischen den Ereignissen von «Der Hobbit» und «Der Herr der Ringe» angesiedelt. Celebrimbor hat mal eben einen neuen Ring der Macht erschaffen und will damit selber zum König aufsteigen. Aber die Geschichte tut eigentlich nichts zur Sache. In «Shadow of War» geht es vor allem darum, auf möglichst kreative Weise möglichst viele Orcs zu vermöbeln. Ganz nach dem Motto: «I have come here to chew bubblegum and kick ass and I’m all out of bubblegum.»

Der erste Bossgegner: Tutorials

Bevor du anfangen kannst, dein Schwert zu wetzen, wirst du alle paar Schritte von Tutorials unterbrochen. Lerne dies, tue jenes, aktiviere das. Das Spiel versucht, dich so schnell wie möglich auf den Wissensstand zu bringen, auf dem du dich am Ende des ersten Teils befandest. Da hattest du allerdings rund 30 Stunden Spielzeit auf dem Buckel und genügend Zeit, die zahlreichen Fähigkeiten zu verinnerlichen. Gerade Neulinge werden sich anfangs etwas erschlagen fühlen. Zumal obendrauf noch unzählige neue Features kommen. Wenn du dich aber durch die erste Welle von Orcs und Menüs gekämpft hast, nimmt der Spass langsam Fahrt auf.

Same same, but different

Eroberungen sind riesige Schlachten, die manchmal etwas chaotisch werden.

Am Spielprinzip hat sich wenig verändert. Noch immer steht dir eine relativ offene Spielwelt zur Verfügung, die vollgestopft ist mit Gegnern, Nebenmissionen, Ruinen und Sammelobjekten. Im Vergleich zu den lediglich zwei Spielwelten aus dem ersten Teil, ist die Welt von «Shadow of War» deutlich grösser und bietet wesentlich mehr Abwechslung, auch wenn die einzelnen Gebiete kleiner sind. Du kannst neue Ausrüstung finden und verbessern, im Level aufsteigen und neue Fähigkeiten freischalten. Monster lassen sich reiten und befehligen und du kannst ganze Festungen nach einer Belagerung unter deine Kontrolle bringen. Damit schaltest du Boni frei und kannst im Kampf schlagkräftige Verstärkung rufen.

Die Hauptattraktion ist erneut das Nemesis-System

Es gibt viel zu meucheln, bevor es dem Chef an den Kragen geht.

Am unterhaltsamsten sind die Kämpfe gegen die Orc-Anführer. Bevor du dich an den Overlord heranwagen kannst, musst du erst seine Unteroffiziere besiegen. Jeder Orc-Anführer hat eine eigene Persönlichkeit und nimmt sich vor dem Kampf gerne noch einen Moment Zeit, sich vorzustellen und dich verbal in die Schranken zu weisen. Sie klingen im Englischen herrlich überspielt und es ist jedes Mal eine Freude, ihren dummen Sprüchen zu lauschen. Jeder Orc-Anführer hat unterschiedliche Stärken und Schwächen, die es besonders im späteren Verlauf zu kennen gilt. Einige sind allergisch gegen Feuer oder fürchten sich vor den Caragor, andere werden dadurch erst so richtig angestachelt. Besiegst du genügend Offiziere, wird der Weg frei zum Obermacker, der eine besondere Herausforderung darstellt. Oft ist er durch Bodyguards geschützt. Da Talion mit der Hilfe von Celebrimbor Orcs unter seine Kontrolle bringen kann, kannst du deine Verbündeten nutzen, um gegnerische Lager zu infiltrieren und zu schwächen.

Beisst du im Kampf doch mal ins Grass, steigt dein Niederstrecker im Rang auf. Dadurch ändert sich sein Name und er nennt sich fortan beispielsweise Murg, der Schädelknacker. Bei eurer nächsten Begegnung wird er sich erst etwas wundern, warum du schon wieder bei ihm auf der Matte stehst, dich danach aber sogleich mit neuen Fähigkeiten angreifen.

Zu viel des guten

Während es zweifellos jede Menge Spass macht, Orcs abzumurksen, kann dir beim Blick auf die Karte echt die Lust vergehen. Fast wie in «Assassin’s Creed» ist sie vollgepflastert mit Symbolen. Hier gibt es etwas zu sammeln, da einen bestimmten Orc zu jagen, dort eine Nebenmission, da eine Statue zu zerstören. Auch beim Menü fragst du dich anfangs: Wofür ist das und das und das? Und wenn du eine Festung unter deine Kontrolle gebracht hast, fühlst du dich zwar als mächtiger Kriegsherr, aber irgendwie auch als Manager, denn es gibt einiges zu organisieren. Auch das Beutesystem wirkt etwas aufgesetzt und ich habe mich nicht wirklich angespornt gefühlt, neue Ausrüstung zu finden.

Schon wieder Lootboxen

Viel Kritik musste Publisher Warner Bros. für die Lootboxen einstecken. Diese bieten handfeste Spielvorteile mit neuen Waffen und Gefolgsleuten. Du kannst die Kisten zwar auch mit Ingame-Währung erstehen oder durch Belagerungen und Erfolge freischalten, aber legendäre Gefolgsmänner garantieren nur die bezahlten Kisten. Im Singleplayer-Modus verschaffst du dir mit echtem Geld keine entscheidenden Vorteile. Du nimmst einfach eine Abkürzung. Im Multiplayer-Modus kannst du hingegen mit einer gekauften Armee schnell Spieler überrumpeln, die langsamer aufleveln. Aber «Shadow of War» ist zum Glück primär ein Einzelspieler-Titel. Die Lootboxen haben dennoch einen fahlen Nachgeschmack und wirken unangebracht in einem Vollpreisspiel – besonders, da man immer wieder darauf hingewiesen wird.

Fazit: Repetitiv und doch abwechslungsreich

Die Grafik ist zwar nicht aussergewöhnlich, aber die Präsentation dennoch sehr ansehnlich.

In «Shadow of War» sind die Entwickler übers Ziel hinausgeschossen. Die zahlreichen neuen Systeme wirken etwas aufgesetzt und der Fortschritt verkommt an vielen Stellen zur Fleissarbeit. Besonders im späteren Verlauf wird das Spiel etwas repetitiv. Wenn du dich aber einmal durch den Dschungel an Funktionen und Möglichkeiten durchgerungen hast, steht dir ein äusserst gelungener Spielplatz zur Verfügung. Und das war klar das Ziel von Monolith. Die Präsentation ist stimmig und der Sound passt. Die Hauptattraktion sind – wie schon in «Shadow of Mordor» – die Orcs. Es macht unheimlich viel Spass, mit Talion wie ein Wirbelwind um die Gegner herumzuturnen und es Arme, Beine und Köpfe regnen zu lassen. Und wenn du einen besonders zähen Anführer nach dem zigsten Mal endlich besiegt hast, dann fühlt sich der finale Schlag unglaublich befriedigend an. «Shadow of War» ist etwas rau an den Kanten, aber im Kern steckt ein Spiel, das dich viele Stunden unterhalten wird.

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Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

1 Kommentar

User alain1989

Eigentlich Schade, denn ich hatte mich darauf gefreut, aber ich unterstütze keine Vollpreisspiele mit Lootboxen f2p Mechaniken. Die Publisher behandeln uns wie einen Frosch im Kochtopf und schauen wie weit Sie gehen können irgendwann muss man Ihnen die Grenzen aufzeigen, sonst wird es langfristig zk

11.10.2017
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User Screwface

100% agree! Aber es ist längst zu spät, sich dagegen zu stellen. Leider haben sich bei Vollpreistiteln Micropayment, DLC und Season Pass längst etabliert, da die breite Masse dies genauso akzeptiert, wie Accountbindung an Steam, Origin, Uplay usw. Heute bezahlen "Gamer" den vollen Preis für ein Spiel und lassen sich noch weiter Geld aus der Tasche ziehen, damit sie schneller und einfacher ans Ziel kommen, herausgeschnittenen Content erhalten, oder für "Erweiterungen", deren genauen Inhalt und Umfang man bei Bezahlung noch nicht einmal kennt. Meistens leidet die Qualität der Spiele darunter, da die Spielmechanik um dieses zusätzliche Kohle machen herumgestrickt wird. Die Spieler schaden sich also selber, wenn sie dies unterstützen. Ich kann mich nicht entsinnen, wann ich das letzte mal ein Spiel von EA, Ubisoft, oder Activision/Blizzard gekauft habe. Hauptzielgruppe dieser Entwickler zeigen vermehrt Anzeichen von Sucht-Symptomen und einen ausgeprägten Sammeltrieb, welcher so schamlos ausgenutzt wird. Erinnert auch ein wenig an das Stockholm-Syndrom.

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