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Kabel-Kurs, Teil 1: Grundlagen und Lautsprecherkabel

Kabel sind ein heisses Eisen in der High Fidelity. Die einen geben fünfstellige Summen für Top-Verbinder aus, um auch das letzte Quäntchen Klang aus ihren Anlagen zu holen. Die anderen halten das alles für Voodoo. Wir sammeln mal Fakten.

«Kabel machen einen riesigen Unterschied, auch wenn manche Leute denken, das sei esoterisch.» Diese Aussage stammt nicht etwa von dem Redaktor einer HiFi-Zeitschrift, dem misstrauische Zeitgenossen von Bestechlichkeit über Ahnungslosigkeit bis zu Verführbarkeit ja alles zutrauen. Sondern von Wilfried van Baeden, der in Belgien die Galaxy Studios betreibt, wo hochwertige Musikproduktionen und spektakuläre Filmsoundtracks gefahren werden. In dem 7500 Quadratmeter grossen Komplex sind etwa 200 Kilometer Kabel verlegt – und ein Gutteil davon dient der Signalübertragung zwischen erstklassiger Studiotechnik.

Viele HiFi-Fans und nicht zuletzt etliche Hersteller dürften dem Profi begeistert zustimmen, aber auch der zweite Teil seiner Aussage gilt. Nicht wenige, und durchaus nicht nur Trolle und Hater in den asozialen Medien, halten es für Humbug, in die Strippen mehr als nur ein paar Rappen zu investieren. Bevor diese Kostverächter nun die Tastaturen zu Schmähkommentaren wetzen: Die Diskussion um den «Kabelklang», so unselig wie sinnlos, soll hier gar nicht geführt werden. Vielmehr möchte ich engagierten HiFi-Hobbyisten Mut zur eigenen Meinung machen. Ein wenig Grundlagen-Wissen kann da nicht schaden.

Aber ganz klar vorneweg: Ich bin der Meinung, dass Klangverbesserungen innerhalb einer HiFi-Anlage zunächst mit der optimierten Lautsprecher-Aufstellung und der Raumakustik beginnen sollten, bevor viel Geld in hochwertige Komponenten und Zubehör fliesst.

Wie du deine Lautsprecher richtig aufstellst und warum das wichtig ist
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Wie du deine Lautsprecher richtig aufstellst und warum das wichtig ist

Erst dann lohnt es sich, über Kabel nachzudenken, welche die billigen Beipackstrippen ablösen könnten. Ein guter Beginn sind da die Lautsprecherkabel.

Es gibt ein Kabel-Ideal, aber kein ideales Kabel

Um die Türglocke zum Klingeln zu bringen, reichen zwei dünne Drähtchen. Sofern die elektrisch funktioniert und sich per Knopfdruck in den Stromkreislauf einklinkt. Der Begriff Klingeldraht kommt nicht von ungefähr, sondern aus der Praxis, wo Stromlieferant und Verbraucher verbunden werden. Klingeldraht zum Verbinden von Verstärkern und Lautsprechern? Klar, geht auch. Nur nicht so gut. Möglicherweise, weil uns beim Hören schöner Musik nicht die Ohren klingeln sollen.

Seit sich die High Fidelity über Dampfradio und Trichtergrammophon hinaus entwickelt hat, wurde an allen möglichen Stellen der Wiedergabe geforscht, gefochten und geflunkert. Die Verbinder zwischen den verschiedenen Komponenten kamen auch dran, spätestens seit Mitte der 1970er trieb das Fach immer neue Blüten. Ês gab und gibt noch immer reichlich Scharlatane, die gutgläubigen HiFi-Jüngern das Geld aus der Tasche ziehen für angebliche Wunder-Verbinder. Auch gerne mal im Set für über 10 000 Franken.

Manche sehr teure Kabel haben deutlich stärkere Durchmesser als Schlagzeugstöcke

Doch andererseits gibt es auch seriöse Entwickler, deren Motto «Physik statt Voodoo» lautet. Statt auf bei Vollmond unter Beschwörungsformeln erzauberte Klangverbesserer zu setzen, kann man die einschlägige Elektrotechnik-Literatur studieren. Da steht eine Menge Hilfreiches drin, etwa zu Widerstand, Induktivität und Kapazität, zu geometrischen und materialtypischen Einflüssen, zu Dielektrika und elektrischen oder magnetischen Feldern, zu unterschiedlichen Anforderungen an Lautsprecher- und an NF-Kabel (das sind die Verbinder etwa zwischen CD-Spieler und Verstärker). Das Ideal für Kabel jedweder Art: Dem Signal nichts wegnehmen. In der Theorie. In der Praxis lautet der Schluss: Es gibt kein ideales Kabel, jedes ist eine Art Filter. Es gilt, die Verluste zu minimieren. Und dabei führen viele Wege nach Rom.

Die Grundlagen (Achtung, Theorie)

Ein Verstärker stellt an seinen Lautsprecher-Ausgängen eine der Musik entsprechende Spannung. Und die sollte möglichst verlustarm an den Lautsprecherklemmen ankommen. Dabei fliesst Strom – und jedes Kabel wirkt über seine Länge wie eine Kombination von Schaltelementen, die sich elektrisch verhalten wie Kondensatoren, Spulen und Widerstände, also wie Bauteile in Schaltungen. Kondensatoren haben eine Kapazität, Spulen eine Induktivität und Widerstände eine Impedanz. Physiker nennen diese Kenngrössen Leitungsbeläge – und die kann man messen. Mit Voodoo hat das nichts zu tun.

Die Kapazität und der so genannte Querleitwert lassen einen Teil des Stroms im Kabel sozusagen versickern, während der Längswiderstand und die Induktivität etwas von der Spannung wegknapsen. Die Impedanz von Lautsprechern beziehungsweise deren Frequenzweiche schwankt nun aber abhängig von der Frequenz (siehe auch Warum dir simple Watt-Angaben nichts nützen). Ein Lautsprecher beziehungsweise ein Chassis fängt an zu schwingen, wenn an seinen Anschlüssen eine Spannung anliegt (induziert wird). Dieser elektrodynamische Antrieb hat aber zu Folge, dass das Chassis seinerseits beim Ein- und Ausschwingen eine Gegeninduktionsspannung erzeugt, die der Verstärker kurzschliessen muss.

Das optimale Kabel müsste bei Impedanz, Kapazität und Induktivität den Wert Null aufweisen, was selbst extrem kurze Verbinder nur annähernd schaffen. Das ist übrigens auch ein Argument für Aktivboxen: Hier liegen Verstärker und Chassis extrem nahe beieinander. Doch die Regel in der High Fidelity sind passive Boxen – und die Verstärker müssen im Normalfall so zwischen zwei und drei Meter überbrücken.

Das Gemeine ist nun, dass die Kabelbauer niedrige Kapazität mit höherer Induktivität erkaufen und umgekehrt. Wollen sie einen niedrigen Längswiderstand mit besonders viel Kabelquerschnitt erreichen, handeln sie sich den Skin-Effekt ein: Hohe Frequenzen werden nur noch von den äusseren, oberflächenahen Schichten übertragen.

Die Folgerungen (Achtung, Praxis)

Die Kunst des Lautsprecher-Kabelbaus besteht nun darin, alles möglichst niedrig zu halten. Das lässt sich in etwa mit dem Auftrag an einen Motoren-Ingenieur vergleichen, möglichst hohe Leistung und Beschleunigung bei möglichst niedrigem Verbrauch in einem möglichst komfortablen Auto zu erreichen. Sich dem einem Ziel anzunähern, bedeutet, sich vom anderen wieder weiter zu entfernen.

Aber es gibt Kompromisse, und zwar mehr oder weniger gute. Oder besser: Mehr oder weniger gut auf Eure Verstärker-Lautsprecher-Kombination passende. Diese Kompromisse suchen die Entwickler zum Beispiel in der Geometrie, wie sie ihre Leiter anordnen. Das geht von komplexen Verflechtungen mehr oder weniger dicker Leiter, Hohlkernen, bestimmten Isoliermaterialien und natürlich dem Leitermaterial selbst (Kupfer, Silber, Legierungen) bis hin zu der Art, wie man die Stecker (Stifte / «Bananen» oder «Kabelschuhe») anbringt, zum Beispiel durch Crimpen oder Löten.

Viele hochwertige Lautsprecher-Kabel sind geometrisch sehr komplex aufgebaut. Hier das Exzellenz Atmos Air von Inakustik in der Schnittzeichnung.

Dafür kann man sehr hohen, material- und arbeitszeitintensiven Aufwand treiben. Das ist der Grund, warum selbst seriöse Anbietern zum Teil astronomische Preise verlangen. Und warum selbst ultrateure Kabel nicht immer die besten Ergebnisse an bestimmten Verstärkern und/oder Lautsprechern bringen.

Bei den Mänteln der teuren Kabel von Inaksutik kommt diese aufwendige Flechtmaschine zum Einsatz. Tatsächlich made in Germany.

Jetzt fragst du dich sicher: Ist das denn wirklich hörbar? Die Antwort hat ein bisschen was von Radio Eriwan: Im Prinzip ja, wenngleich ... OK, es gibt Klangunterschiede, und sie sind meiner Meinung nach reproduzierbar. Aber nicht jeder nimmt diese Unterschiede auch als «besser» oder «schlechter» wahr. Das spielt sich eher subtil ab und braucht längere Zeit. Daher: Wenn ein Kabel ad hoc mehr Höhen oder mehr Bässe liefert, ist erst mal Misstrauen gegenüber dem Vorführenden und seinem Equipment angesagt. Das beste Kabel für dich ist das, mit dem du über längere Zeit sehr entspannt hören kannst und mit dem du am meisten von der Musik und dem, was in ihr passiert, mitbekommst. Sorry, es ist kompliziert.

Die Kaufempfehlung (Achtung: Kosten)

Und weil es kompliziert ist, haben wir den Kabelkurs als Serie mehrerer Folgen angelegt. Doch wir wollen dich hier nicht im Regen stehen lassen ohne greifbare Tipps. Also: Stell erst einmal deine Lautsprecher bestmöglich auf und kontrolliere, ob du sie auch phasenrichtig an den Verstärker angeschlossen hast (rot auf rot beziehungsweise plus auf plus und schwarz auf schwarz beziehungsweise minus auf minus). Wenn dein Verstärker schon ein paar Jahre oder gar Jahrzehnte auf den Kondensatoren und deine Boxen ähnlich viele auf Sicken und Membranen haben, tausche lieber zuerst mal diese entscheidenden Komponenten je nach Budget und Hörgeschmack aus.

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Oehlbach SPEAKER WIRE SP25 (20m, Kupfer, 2.50mm²)
Das hervorragend verarbeitete Stereo-Lautsprecherkabel eignet sich für Verstärkerleistung bis ca. 120 Watt Leistung pro Verstärker-Kanal.
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Dann, und erst dann ist es Zeit, mit dem Lautsprecherkabel (die anderen Verbinder bringen möglicherweise nicht ganz so viel Effekt) zu experimentieren. Es gibt schon gute Strippen in der Konfektion zwei mal drei Meter ab 60 Franken, also für 10 Franken pro Meter. Die Anbieter sind zahllos, zuweilen gibt es Offerten um die Hälfte. Und das hat erst recht nichts mit Voodoo zu tun.

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User

Lothar Brandt, Schlierbach

Ich tummle mich seit über 30 Jahren als Journalist in der Audio-Branche. Dort bin ich berüchtigt als begeisterter Musikliebhaber, hoffnungsloser Analog-Fan und sehr kritischer Lautsprecher-Beurteiler. Was wohl mit kläglichen Versuchen zusammenhängt, Geige und Schlagzeug besser als nur amateurhaft zu spielen. Eine Zeitlang lebte und arbeitete ich der Schweiz, meinem erklärten Lieblingsland. Dorthin kehre ich immer wieder gerne zurück.

12 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
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User Anonymous

Noch besser sind allerdings die $3500 Stromkabel, die extra noch mit speziell abgekoppelten Holzunterlagen vom Boden angehoben werden, damit ja keine Stör-Resonanzen im Signal landen. Alles schon gesehen ;-)

19.06.2018
User Anonymous

zuerst ungeschirmte audio und geerdete lautsprecherkabel und dann speziell geschirmte stromkabel und steckleisten, ja ja, das macht sinn.

22.06.2018
Antworten
User timo

Die vorgeschlagenen Kabel sind völlig in Ordnung und ausreichend, für mich war jedoch immer eines einleuchtend:
In den Lautsprechern findet man ganz einfache, normale Kabel. Selbst wenn man die "besten" Kabel bis zum Lautsprecher führt, würde das im inneren doch wieder zunichte gemacht.

19.06.2018
User timo

Da würde mich wirklich mal die Expertenmeinung interessieren, wie HighEnd-Kabel, wie von Kimber oder Nordost, einen positiven Effekt haben sollen, wenn im Lautsprecher wieder vermeintlicher Klingeldraht zum Einsatz kommt.

Deshalb war für mich immer relativ klar, dass ich bei Kabel einfach auf eine gewisse Dicke achte, was mehr der Stabilität und Langlebigkeit geschuldet ist, und in Sichtbaren bereichen zusätzlich ein wenig auf die Optik.

19.06.2018
User patrickobe1

Vergiss die Distanz nicht. Innerhalb des Lautsprecher sind es nur wenige cm, während es vom Verstärker zum Lautsprecher auch mal 10 Meter werden können (Atmos Rear High in meinem Fall )

19.06.2018
User hegamer

Die Expertenmeinung ist ziemlich einfach: Quacksalberei.
Wird der für die Leistung und Distanz benötigte Querschnitt verlegt ist das Maximum erreicht. Die meisten im Text erwähnten Dinge haben überhaupt keinen Einfluss auf die Audiowiedergabe oder das Signal. So hat etwa der Skin-Effekt überhaupt nichts damit zu tun, dass der Kabelquerschnitt gross ist. Der Skin-Effekt tritt erstens nur bei Hochfrequenztechnik auf und ist dann noch unabhängig vom Querschnitt der Leitung.

19.06.2018
User xazax

@Hegamer: Die Isolation beeinträchtigt die Kapazität, hier kann man beachtliche Dinge erreichen(allerdings in einem sehr hohen Detailgrad, in dieser Sparte gebe ich allen Recht, die sagen: Zuerst brauchst du eine wirkliche High-End Anlage bevor du diese Kabel benutzt). Wenn du die AIR Isolation Kabel von Inakustik mal gehört hast, weisst du wovon ich rede. Das Ganze hat halt allerdings auch seinen Preis(2 x 3m für 2300-6500.-, je nach Querschnitt).

20.06.2018
User Lothar Brandt

Antwort auf die Frage von Timo: In der Tat ist das zuweilen ein Problem. Aber viele Lautsprecherhersteller gehen inzwischen zu hochwertiger Innenverkabelung über. Andere wie der Schweizer Hersteller crTech in Toffen bieten auch an, die Innenverkabelung auszutauschen. Kostet freilich auch gutes Geld.

22.06.2018
Antworten
User Anonymous

Vielen Dank für den ersten Teil dieser spannenden Serie! Ich bin selber ein Home Cineast und habe sehr viel Zeit und auch ein bisschen Geld in mein Heimkino gesetzt. Ich bereue keinen müden Rappen. Umsomehr freue ich mich auf die Fortsetzung deiner Reihe!

20.06.2018
User davidlutz

Schöne WBT Spades auf dem Titelbild:-) Die und Inakustik Black White Kabel sind mein Voodoo

19.06.2018
User firlefanz

Rein technisch kann man das wohl kaum belegen, dass dickere/bessere Kabel den Klang verbessern sollen.
Die Klingeldrahtverkabelung im innern der LS zum ersten, die hauchfeinen Leitbahnen auf den Platinen und die superdünnen Drähte an den Bauteilen (Kondensatoren usw) zum anderen machen die dicken Kabel im Wohnzimmer obsolet.
Obwohl dicke LS-Kabel auf dem Wohnzimmerboden – das ist jedenfalls meine Meinung – geben optisch definitiv mehr her und suggerieren mir einen guten Sound.

06.08.2018
User dino.delic

habe auch schon verschiedene Lautsprecherkabel getestet. Das hört man raus (mit gutem Verstärker und guten Boxen). Ja sogar bei USB-Kabel hört man es raus...so komisch es auch klingt (da ja digital). Habs getestet mit Auralic Aries zu Devialet400 an Magico S3. Liegt wohl am besseren/schnelleren Silberanteil im Kabel, x-facher Abschirmung....entsteht so weniger Jitter)

03.07.2018