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ComputingKnowhow 2434

Windows-Neuinstallation: Wenn nichts mehr geht, hilft Rufus

Die «Zurücksetz-Funktion» in Windows bringt Freude, denn damit kann dein PC ohne Aufwand schnell in den Auslieferungszustand gebracht werden. Zumindest, wenn die Funktion nicht spinnt. Manchmal bringt sie dich gar zur Weissglut.

Vergangenes Wochenende war mal wieder bestes Gaming-Wetter. Eigentlich wollte ich mir endlich das neue «Metro Exodus» geben, doch ich blieb bereits am Samstag bei der überarbeiteten Version von «Diablo» hängen. Ich metzelte mich im Multiplayer-Modus über Stunden immer tiefer Richtung Lord of Hellfire und genoss es, dies mit einem potenten Gamer-Notebook zu tun. Zwar würde für dieses Game auch ein Pentium aus den 90ern genügen, doch wenn ein 3200-Franken-Notebook rumliegt, sage ich nicht nein.

Bloss doof, dass mir dieses Notebook nicht gehört und ich es lediglich für ein Review habe. Heute muss ich es zurückgeben – also bewaffne ich mich mit Desinfektionsmittel, Bildschirmreiniger und Küchenpapier. Allerdings komme ich erstmal nicht dazu, das Notebook von seiner Patina zu befreien. Denn davor versuche ich das Razer Blade in den Auslieferungszustand zurückzusetzen, und scheitere kläglich.

Normalerweise klicke ich in den Systemeinstellungen auf «Diesen PC zurücksetzen» und nach wenigen weiteren Klicks erledigt Windows alles selbstständig für mich. Doch in diesem Fall klappt das nicht, wie du auf dem Titelbild erkennst. Ein wunderschöner Bluescreen lacht mir entgegen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so einen jemals wieder antreffen würde. Auch ein zweiter sowie dritter Versuch inklusive Laufwerk-Bereinigungs-Option (Formatierung) klappen nicht.

Auch das «Media Creation Tool» streikt

Gut, dass man Windows auch komplett neu installieren kann und Microsoft ein eigenes Tool dafür bereitstellt. Mit dem «Media Creation Tool» kann ich mir ein aktuelles Windows-Image ziehen und damit einen bootfähigen USB-Stick erstellen. Dazu starte ich das Tool, nehme die Lizenzbedingungen an und klicke auf «Installationsmedien für einen anderen PC erstellen». Danach werde ich gefragt, ob ich einen USB-Speicherstick erstellen, oder nur das Image zum späteren Brennen auf DVD laden möchte. Beim Erstellen des bootfähigen Sticks benötigt es übrigens einen mit mindestens 8 GB Speicherplatz.

Tja, Murphy's Law lässt grüssen. Auch dieser Versuch endet mit einer Fehlermeldung. Ich kratze mich fragend am Kopf, verdrehe die Augen und beisse innerlich in die Tischkante. Was soll der Mist? Soll ich mir den Fehlercode «0x80070002 - 0xA001A» tatsächlich notieren und den Kundendienst anrufen?

Natürlich tue ich mir das nicht an. Alles ist besser, als in einer Support-Warteschleife zu hängen und nach gefühlten Stunden mit etwas Glück einen Hinweis zur Problemlösung zu erhalten. Abgesehen davon möchte ich die armen Support-Mitarbeitenden auch nicht mit meiner schlechten Laune anstecken. Die haben auch ohne mich bereits einen harten Alltag.

Ein Hoch auf Open Source: Rufus

Was kommerzielle Software nicht hinbiegen kann, soll Open Source richten. Eine gute Idee, wie sich herausstellt.

Erneut starte ich das «Media Creation Tool» von Microsoft. Allerdings ziehe ich diesmal lediglich das Windows-Image.

Anstelle von «USB-Speicherstick» wähle ich diesmal «ISO-Datei». Danach gebe ich den Speicherort an und warte, bis das Image auf dem Computer liegt.

Als nächstes ziehe ich mir die Open-Source-Software Rufus. Diese kann zum Erstellen beliebiger Boot-Sticks verwendet werden.

Ich starte das Programm, wähle unter «Laufwerk» den korrekten USB-Stick, öffne unter «Auswahl» das zuvor abgespeicherte Windows-Image (.iso-Datei), belasse das Partitionsschema bei «GPT» und wechsle das Dateisystem in «NTFS». Danach klicke ich auf Start und bestätige, dass ich mir bewusst bin, dass sämtliche Daten auf dem Stick gelöscht werden.

Einige Minuten später ist der bootfähige Stick fertig.

Neuinstallation

Nun muss der Computer ab dem Bootstick gestartet werden. Dazu gehe ich in die Wiederherstellungs-Option von Windows (Windows-Taste drücken, «Wiederherstellen» eintippen und anklicken) und klicke unter «Erweiterter Start» auf «Jetzt neu starten».

Sollte dein Windows so zerschossen sein, dass du nicht mehr reinkommst, musst du die Bootreihenfolge in deinem BIOS von Hand umstellen, um ab dem Stick zu starten. Dazu drückst du beim Systemstart je nach Hersteller F2, F8, F10 oder Delete (Entf), um ins BIOS zu gelangen. In älteren BIOS-Systemen kannst du unter dem Punkt «Boot Device Priority» den USB-Port als «1st Boot Device» definieren. Hast du ein UEFI-BIOS, findest du die Option «Boot Priority» meist auf der Übersichtsseite.

Nach einigen Sekunden werde ich aufgefordert eine Option auszuwählen. Ich klicke auf «Ein Gerät verwenden» und wähle danach «UEFI: Generic Flash». Nun bootet der Computer ab dem Stick und startet die Windows-Installation.

Zum Neuaufsetzen gehe ich wie folgt vor:

  1. Ich wähle die gewünschte Installationssprache, Zeit- und Währungsformat sowie das korrekte Tastaturlayout. Dann klicke ich auf «Weiter» und im folgenden Fenster auf «Jetzt installieren». Danach akzeptiere ich die Lizenzbedingungen und klicke nochmal auf «Weiter».
  1. Ich wähle «Benutzerdefiniert».

Erklärung zu den Partitionen: Nun sehe ich sämtliche Partitionen meines Systems. Die ersten drei Partitionen (Recovery, System und MSR) werden bei Neuinstallation jeweils von Windows automatisch angelegt. Die Recovery-Partition enthält Daten, auf welche Windows beim Zurücksetzen zugreift. Auf der System-Partition liegen Bootdateien, welche für den Start von Windows erforderlich sind. Die MSR-Partition wird von UEFI-Systemen verwendet und enthält Informationen zu anderen Partitionen. Auf der vierten Partition liegen die momentane Version von Windows und sämtliche installierten Dateien. Die fünfte Partition wurde vom Hersteller des Notebooks angelegt und enthält fürs Zurücksetzen Treiber und Software von Razer.

  1. Jetzt ist es an der Zeit, die vorliegende Installation platt zu machen. Ich entscheide mich, alle Partitionen zu löschen und allfällig fehlende Treiber oder Software von Razer nach der Neuinstallation von Hand zu installieren. Solltest du mehr als ein Laufwerk haben, achte bitte darauf, nur bei «Laufwerk 0» (System-SSD oder -HDD) Änderungen vorzunehmen. Markiere nacheinander alle Partitionen und drücke jeweils auf «Löschen».
  1. Nun gibt es kein zurück, sämtliche Daten sind gelöscht. Ich klicke auf «Neu» und bestätige den folgenden Dialog mit «Ok».
  1. Jetzt habe ich wieder vier Partitionen. Um die Neuinstallation zu starten, markiere ich die primäre Partition und klicke auf «Weiter».

Bitte denk daran, dass nach Abschluss der Installation herstellerspezifische Treiber und Software von Hand installiert werden müssen. In meinem Fall betrifft es den Grafikkartentreiber und Software für die Tastaturbeleuchtung.

Ich wünsche gutes Gelingen – es lebe Open Source!

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Martin Jud, Zürich

  • Editor
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

24 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen.

User Anonymous

Habe Rufus auch schon oft benutzt und kann nur zustimmen, ein tolles Tool.

12.03.2019
User Gaborsk1

Wir hatten das Problem mit dem Media Creation Tool in der Firma. Lösung: 1. Formatiere deinen USB-Stick mit FAT32 und deaktiviere die Schnellformatierung. 2. Media Creation Tool herunterladen und auf den Stick packen. Das Tool dann vom Stick aus starten. Rufus ist nicht nötig.
thewindowsclub.com/error-co...

13.03.2019
User Lunerio

Dann lieber Rufus als ein USB-Stick ohne Schnellformatierung zu formatieren...

13.03.2019
Antworten
User Anonymous

Rufus der Lifesaver! Gehört ins Repertoire jedes Power-Users!

12.03.2019
User ExtraTNT

nebst dem i3wm ;D

16.03.2019
Antworten
User nils.leumann

Man muss das Media Creation Tool als Admin ausführen. Dann sollte es gehen!

12.03.2019
User RealMajor

und am besten gleich auf den usb stick packen ;-) und den stick mit dem passenden filesystem vorformatieren und nicht quickformat benutzen... soweit ich mich noch erinnern kann

12.03.2019
User Jacco011

@RealMajor Die vorformatierung kann man sich sparen. Das Media Creation Tool formatiert den USB Stick selber und ist nachher direkt auf der USB Stick vorhanden.

13.03.2019
User RealMajor

würde ich nicht grundsätzlich behaupten ;-) das MCT macht zu 99% sicherheit nur n quick format.. mein stick war voher mit exFat und ntfs formatiert und hatte noch grub2 als bootloader mit mehren partitionen. Irgendwie hat dies probs gemacht vA beim schreiben des bootloader.

Daher im ausschlussverfahren alle möglichen und auch unwahrscheinlichen fehlerquellen ausschliessen.

Das formatieren dauert nicht länger als wenn man wieder booted und das windows setup immer noch nicht starten will und die ganze prozedur sowieso nochmals wiederholen darf ;-) schliesslich weiss man nicht genau was der bug beim MCT herruft wenn man den thread aufmerksam gelesen hat.
Oder man probierts halt vorher mit rufus... unetbootin konte es bei mir auch nicht richten

13.03.2019
User RealMajor

fazit: auch wenn man es sich ggf auch sparen könnte.. n fresh clean extend formatted usb stick ist für n os install nie verkehrt, es schadet niemanden, und erspart einem im endeffekt umtriebe und zeit

13.03.2019
User RealMajor

dazu kommt noch das genze uefi secure boot gedöns... ich hatte zb auch noch ne customized efi partion mit den serure boot keys fürs ubuntu.. daher sicher ist sicher und alles platt machen

13.03.2019
Antworten
User Janis1010

Ein Bootstick wäre auch eine Möglichkeit, da damit mehrere ISOs gleichzeitig bootfähig gemacht werden können. Z.B. mit E2B ganz einfach in einem Ordner ablegen und schon kann man aus einem Menü auswählen.
Ich habe immer meinen Bootstick dabei. Darauf sind unter anderem nützliche Tools wie z.B. Acronis oder Instalations-ISOs von Windows. Auch ein Portable Windows und Linux ist dabei.
Brauche ich zwar äusserst selten, wäre aber für Notfälle gerüstet :P

12.03.2019
User RealMajor

es leider so dass das media creation tool von ms einen bug hat.. dies ist recht bekannt und wird in einem thread im userforum von microsoft besprochen... ich bin dieser fehlermeldung vor ca 2 monaten begegnet und konnte es dann anhand dem thread lösen den man findet wenn man die fehlermeldung googelt und der neuere thread empfhielt dann rufus ;-) Ich persönlich finde es sehr befremdlich das ms den bug immer noch nicht gefixt hat nach über 2 jahren.. dies ist schon sehr peinlich IMHo für den konzern

answers.microsoft.com/en-us...

answers.microsoft.com/en-us...

normalweise benutze ich unetbootin auf linux aber dies war nicht in der lage die formatierung & bootloader für win10 zu schreiben warum auch immer genau.. bei win7 war die nie ein problem und allzu lange wollte ich nicht da rumprobieren darum dann auch eine andere lösung gefunden

12.03.2019
User r0bo18

Habe gerade letze Woche Rufus benutzt um einen bootbaren USB-Stick mit GParted zu erstellen. Dies war erforderlich um meinen Laptop, der durch das neuste Windows 10 Update unbrauchbar wurde, neu aufzusetzen. Wirklich ein sehr nützliches und empfehlenswertes Tool.

12.03.2019
User r0bo18

Edit: neu aufsetzen war möglich, führte jedoch zu einem Partitionenchaos.

12.03.2019
Antworten
User darnok16

Mein Gott, und was macht ein normaler Benutzer? Mülleimer und neukaufen?

14.03.2019
User Anonymous

Also wenn schon "open source", dann nicht nur gerade als Hilfsmittel für die Neuinstallation von Windows, sondern gleich ganz. Dann würde ich Windows ganz von der Platte wegputzen und open source installieren. Z.B. ein Linux Fedoa 29. Oder ein Linux mit transactional/atomic updates.

Ich habe letzthin ein Windows 10 ganz normal geupdated. Daten im Benutzerordner waren nachher weg/verloren.

15.03.2019
User EISBRG

Gute Empfehlung, habe nur gute Erfahrungen damit, obwohl das jetzt auch schon einige Jahre zurückliegt.

12.03.2019
User Anonymous

Man muss nicht neu klicken - man kann den Schritt überspringen und einfach "Nicht zugewiesener [...]" markiert lassen und weiter.

"Bitte denk daran, dass nach Abschluss der Installation herstellerspezifische Treiber und Software von Hand installiert werden müssen. In meinem Fall betrifft es den Grafikkartentreiber und Software für die Tastaturbeleuchtung."
Das stimmt auch normalerweise nicht, Windows bietet für Nvidia bereits Treiber an, die sind einfach veraltet (399 glaub, wir sind momentan bei 419) - das ist auch so für die meisten Geräte.

12.03.2019
User zekke1992

Die Windows Wiederherstellungsfunktion funktioniert wunderbar, im Notfall hilft eine Neuinstallation. Hatte das Notebook aber keine vom Hersteller hinterlegte Wiederherstellungspartition? Ich denke für den "Endbenutzer" wäre dieser Schritt viel einfacher:
Treibersuche entfällt und sind meistens schon komplett vorinstalliert (z.B. für den Internetanschluss / WLAN)
Manchmal sind noch Update-Anwendungen vom Hersteller drauf für Aktualisierungen (Automatische Treiberaktualisierungen)
Und am wichtigsten, nicht jede Kiste kann einfach mit Windows 10 installiert werden. Wenn man vor dem PC steht und die Installation nicht klappt, kann es bei gewissen Geräten schon technisch und anstrengend werden. (Kompatibilität, Treiber, ...)

Mann muss schon ein paar Sachen abklären, sonst steckt man als Laie ohne PC schlecht da wenns mit der WIndows 10 Installation nicht klappt und man kein Internet hat :-) Laien mit viel Neugier, technischer Finesse und Geduld jedoch viel Spass beim ausprobieren!

13.03.2019
User Fixed-Bearing

Kleiner Hinweis: manche Hersteller verwenden derart spezielle Hardware für die SSD, dass bei der Installation ein Treiber geladen werden muss, sonst sieht man nicht mal die Disk.
Die Treiberdateien ebenfalls auf den USB Stick speichern in einen eigenen Ordner.
Auf dem ersten Fenster nach dem Start ab Stick können zusätzliche Treiber geladen werden.

Lenovo Yoga benötigt einen eigenen, von Win10 nicht unterstützten, Treiber.

13.03.2019
User platinumx

Für einen Stick mit RUFUS sollte FAT32 als Formatierung gewählt werden. Hat keinen Einfluss auf die korrekte Installation. Bei NTFS formatierten Sticks muss unter Umständen Secure Boot temporär deaktiviert werden. Evtl. weigert sich das UEFI vom NTFS-Stick zu booten. Mit FAT32 ist man auf der sicheren Seite.

13.03.2019
User gfuerer

Ich bin mehr ein WinUSB-Typ... da kann man Linux und Windows auf den gleichen Stick/Platte installieren um davon starten zu können.
www.winusb.net

14.03.2019
User swisswuff

MCT hat hier nie funktioniert. Auch nicht als Admin. Download war immer nach 80~90% defekt oder so. Daher rutschen die PC und Laptops hier alle in Richtung Linux. Irgendwann ist noch jedes Windows 10 an den Punkt gekommen. Rufus ist super, aber ich habe damit immer nur Linux auf USB getan. Auch hat nie geklappt, eine Lizenz zu retten. Das ist halt so schlecht wie es nur sein kann.

18.03.2019