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Roaming-Insel Schweiz – Wo können wir Kosten sparen, wenn sie uns nicht erspart bleiben?

erstellt am

Keine Roaminggebühren innerhalb der EU: Das legt eine neue Verordnung fest, die seit letzter Woche gilt. Schweizer Handynutzer zahlen weiterhin fürs Telefonieren und Surfen in den Nachbarstaaten. Warum? Und mit welchen Angeboten zahlt man am wenigsten? Ein Überblick.

Im September 2016 wurde in Brüssel ein Konzept zur Abschaffung von Roaming-Gebühren vorgelegt, das «allen Europäerinnen und Europäer Vorteile bringen wird». Das Konzept wurde per 15.6.17 angenommen. Leider: Herr und Frau Schweizer zahlen weiterhin Gebühren (teils im Abo inkludiert), wenn sie sich mit ihrem Mobilgerät in ein europäisches Mobilfunknetz einwählen.

Schweizer zahlten schon immer einen grossen Batzen

Mit Blick in die Telekom-Landschaft Europas zahlten Schweizer Handynutzer schon immer sehr viel für Roaming-Dienste. Gemäss ktipp verlangten Schweizer Mobilfunkanbieter im mehrjährigen Durchschnitt (bis Ende 2016) zwischen 50 bis 180 Prozent mehr für Telefonie, Nachrichtenversand und Datennutzung. Unsere Löhne und ausgedehnte Infrastruktur über Berg und Tal kosten eben – da heissen unsere Provider die Roaming-Einkünfte willkommen. Mit Blick auf die Auswertungen des Bundesamt für Kommunikation konnte Swisscom & Co. insbesondere im Bereich Datenroaming der steigenden Nachfrage mit Tarifvergünstigungen entgegen kommen:

Die Schweizer Mobilfunkanbieter senkten die Datenroaming-Gebühren seit 2010 stetig. Parallel dazu stieg der Datenverbrauch innerhalb der EU/EWR stark, insbesondere in den Sommermonaten. Quelle: Bakom

Kein Nulltarif für die Schweiz – aber eine Offensive der UPC

Noch am vergangenen Donnerstag argumentierten Medienverantwortliche (u.a. NZZ, warum Gebühren-Senkungen mit der Einführung der neuen EU-Regulierung nicht erwartet werden. Preise könnten sogar kurzfristig steigen, hiess es: Bei der Swisscom zum Beispiel, sollen rund 80 Prozent des im Ausland anfallenden Datenvolumens auf Europa entfallen. Die EU-Regulierung bringt mit sich, dass ausländische Telekomfirmen aufgrund wegfallender Roaming-Einnahmen unter Druck stehen. Dieser ökonomische Druck übertrage sich auf unsere Schweizer Provider. Da ein bilaterales Abkommen bzgl. Roaming-Tarifen nicht auf der Agenda stehe, sehen sich Swisscom & Co. mit noch höheren Handelspreisen konfrontiert, damit ihre Kunden die Mobilfunk-Infrastruktur der EU nutzen können.

Umso überraschender die heutige Medienmitteilung von UPC. UPC führt ab 28.6.17 sogenannte Mobile Europe Flat Abos ein. Internet, Telefonie und SMS-Verkehr werden mit diesen Abos in der Schweiz und in der EU zu denselben Tarifen verrechnet. Aktuell zu den günstigsten Tarifen überhaupt. Dschungelkompass.ch hat die neue Abo-Struktur analysiert:

Vergleich der Abo-Struktur und Preise der neuen UPC Abos Mobile Europe Flat und Mobile Swiss Flat. Stand: 18.6.17. Quelle: Watson.ch

Jene Abos mit Roaming-Inklusiveinheiten sind teurer als jene ohne. Jedoch nur minim und es ist keine Frage: UPC geht mit den neuen Europa-Abos in die Offensive (vgl. unten). Wir bleiben gespannt, wie andere Provider reagieren und wie sich die Abo-Strukturen entwickeln werden. Einschätzung von Comcom-Präsident Stephan Netzle:

«Die Kosten für die Benutzung des Handys im Ausland sind da und werden jetzt in neuen Tarifplänen verpackt. – Den Nulltarif gibt es nicht».

Flatrate-Abo oder Abo + Zusatzoptionen – was lohnt sich für wen?

Der Internetvergleichsdienst verivox.ch hat im Auftrag der Nachrichtenagentur sda die Roaming-Tarife unserer grössten Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt analysiert. Ein Fakt sei: Die Roaming-Standardtarife können bis zu 20 Mal mehr kosten als Datenpakete. Vergesslichkeit vor den Ferien kann also teuer werden!

Gerade wenn keine Datenroaming-Einheiten im Abo inkludiert sind, kann es sehr teuer werden (z.B. 400MB Daten im EU-Ausland für 800.– (!), vgl. verivox.ch. Für Online-Surfer lohnt es sich also besonders, die Roaming-Optionen und Alternativen (PrePaid-SIM) zu vergleichen, um sorgenfrei verreisen zu können.

Für Vielreisende: Abos mit inkludierten Roaming-Einheiten

Ab 28.6.17 führt die UPC seine neuen Mobile Europe Flat Abos ein. Sie sind insbesondere für Geschäftsleute mit Terminen in den Nachbarstaaten und Europa-Reisende sehr attraktiv. Die Preis-Leistung der Mobile Europa Flat Abos übertrifft jegliche Angebote mit Inklusiveinheiten der grossen Provider Swisscom, Sunrise und Salt. Der Preisvergleich von dschungelkompass.ch:

Swisscom bot gemäss verivox.ch für Vielreisende innerhalb und ausserhalb Europas die attraktivsten Flatrate-Abos. Mit der Einführung der UPC Europe Flat Abos wird dies (Stand 19.6.) nur noch für Reisen ausserhalb Europas zutreffen. Swisscom hat zum Sommerstart seine Flatrate-Abos jedoch generell attraktiver gestaltet. Die inkludierten Roaming-Einheiten der neuen inOne mobile Abos – diese lösen die infinitiy Abos ab – wurden angehoben:

  • Bis zu 24GB Datenvolumen pro Jahr in der EU/Westeuropa (inOne mobile XS: 1GB // inOne mobile XL: 24GB)
  • 100MB Datenvolumen in über 190 Ländern weltweit
  • 1000 kostenlose SMS in über 190 Ländern weltweit

Die neuen Abos von UPC punkten für Europa-Reisen mit den günstigsten Roaming-Inklusiveinheiten bei sehr gutem Internetspeed. Stand: 18.6.17. Quelle: dschungelkompass.ch

Günstiger für Normalnutzer: Abo mit zusätzlich käuflichen Roaming-Optionen

Verivox rechnet nach und meint: Längst nicht für jeden rechnet sich ein Abo mit Inklusiv-Roaming. «Kunden können mit jedem Abo und mit vielen Prepaid-Produkten Datenpakete dazukaufen.»

Zusätzlich erhältliche Datenpakete und ihre Kosten für EU-Raum.

Zusätzliche Roaming-Pakete können bei Swisscom und Sunrise online im Swisscom-Cockpit bzw. Sunrise-Cockpit gekauft werden. Die Datenpakete anderer Anbieter sind um einiges teurer und können bis heute z.B. erst telefonisch oder via SMS gebucht werden (Salt und UPC). Und 8-tung: Ein bei Salt gekauftes Datenpaket gilt bis zum 9. des Monats. Wer also am 8. Juni ein Datenpaket kauft, hat Pech gehabt. Bereits am Tag darauf verfällt das restliche Guthaben(!)

Du stehst auf exotische Reisen ausserhalb Europas?

Mit ein bisschen Vorbereitung kannst du auch auf mehrwöchigen Reisen in Ländern ausserhalb Europas einiges an Roaming-Gebühren sparen.

So tappst du in keine Roaming-Falle

  • Combox ausschalten
  • Automatische Updates von Apps und Push-Nachrichten deaktivieren
  • Im Swisscom oder Sunrise Cockpit angeben, dass man nur mit Datenpaketen surfen möchte (damit teurer Standardtarif deaktiviert wird) bzw. die Datenroaming-Kostenlimite von z.B. CHF 2000.– (Voreinstellung bei Swisscom) auf CHF 100.– anpassen.
  • Wenn möglich: Provider-SMS-Dienst zu den aufgelaufenen Roamingkosten aktivieren
  • Kartenausschnitte, Ferien-Playlist auf Spotify und andere App-Inhalte offline verfügbar machen
  • Ausländische PrePaid-SIM online bestellen *
  • Evlt. lohnt sich eine Mobile Hotspot-Lösung für Notebook und Co.
  • Sofern vertrauenswürdig, von Gratis-WiFi-Zonen (beachte Vorsichtsmassnahmen wegen Datenklau) profitieren und Datenroaming nur bewusst aktivieren
  • Anrufe möglichst nur in Notfällen entgegen nehmen (da auch kostenpflichtig)

*Tipp: Spare mit einer Prepaid-SIM-Karte vom Feriendomizil

Beim Telefonieren und insbesondere beim Surfen in exotischen Ländern kann man mit einer Prepaid-SIM enorm sparen. Man zahlt ohne vertragliche Bindung eine feste Summe, die man in Form von Gesprächsminuten und Datenvolumen in einem Zeitraum verbrauchen kann. Mit voller Kostensicherheit.

  • Auf meinem letztjährigen Roadtrip durch Sri Lanka habe ich mir eine Prepaid-SIM bei simlystore.com mit 3GB Daten für umgerechnet ca. 54.– Franken kaufen können. So hatte ich relativ günstig die Gigabytes die ich brauchte. Für meine nächste Reise durch die USA würde ich mir diese USA Prepaid-SIM sichern.
  • Ein Dankeschön für den Tipp von User «sori»: Die SWISS bietet mit Swiss Mobile eine internationalen Prepaid SIM-Karte. Neben sehr attraktiven Roaming-Gebühren sind mit der Karte auch eingehende Anrufe aus über 50 Ländern kostenlos.
  • Ein Dankeschön für den Tipp von User «thurneysen» an alle iPad (4G)-Besitzer: Mit der Apple SIM kann man einen Datentarif eines regionalen Mobilfunkanbieters oder einen Prepaid-Datentarif für über 180 Länder und Regionen wählen.
  • Eine umso praktischere Lösung, wenn das eigene Smartphone Dual-SIM-fähig ist: Man erspart sich das Herausklauben der eigenen SIM (Verlustgefahr!) und kann bei verfügbarem Gratis-WLAN immer wieder auf die Heimat-SIM zugreifen.

ODER: Handy einfach mal zu Hause lassen :-)

Auch schon in die Roaming-Falle getappt?

Deine Meinung und Erfahrungen interessieren uns.

23 Kommentare

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User Nerio

Ich finde dass schon krass das die EU Romingfreiheit hinbekommt, Island, Liechtenstein und Norwegen mit ziehen nur die Schweiz hat es nicht geschafft.

19.06.2017
User Konayo

Stimme ich zu.

Und auch inlands: Datenlimitierungen im niedrigen GB-Bereich sollten nun wirklich der Vergangenheit angehören... kann doch nicht sein, dass es immer noch Abos mit 500MB Beschränkung für den gleichen Preis wie 2012 gibt.

Allmählich gehört Internetzugang sowieso immer stärker zu den Grundgütern eines Individuums der Informationsgesellschaft. Und dass genau die Schweiz da nicht mithalten kann... oh mann.

20.06.2017
Antworten
User rookiecookie

Wir in der Schweiz zählen mit zu den fortschrittlichsten und erfindungsreichsten Ländern der Welt, aber in Bezug auf Handymarkt und Roaminggebühren sind wir im Mittelalter und ein Entwicklungsland geblieben, was für eine Schmach.

20.06.2017
User Konayo

Ist schon erstaunlich, dass ich seit 2010 alle 2 Jahre ein teureres Handy-Abo abschliesse... Auch das Heimnetz wird nicht billiger, und das obwohl die Geschwindigkeitserhöhung ja zum natürlichen technischen Fortschritt gehören sollte.


Ich denke dafür kann man sagen, dass die Glasfaser-Leitungen inzwischen ziemlich gut erschlossen sind, so kann man echt schnelle Internetverbindung zu Hause haben... sofern man es sich leisten kann. :D

20.06.2017
Antworten
User PC24PC24

Kauft doch auch ein dual Sim Mobil.
Dann für 1.99 eine Österreichische Sim Karte von 3 kaufen. Dann für 5 Euro pro 1GB online kaufen. In Deutschland Roaming surfen auf verdchiedenen Anbieter Netzen.
P.S. eine Registrierung der Sim Karte ist nicht nötig. Soviel zur Politiker Paranoia für Anschläge

20.06.2017
User sori

Sehr interessant ist noch das Angebot Swiss Mobile: swiss.com/ch/DE/buchen/swis...

20.06.2017
User Michelle Oehri

Hi sori
Vielen Dank für den tollen Tipp. Ich kannte das Angebot der SWISS noch nicht. Gerne habe ich Deinen Ratschlag im Artikel aufgenommen (unter «Tipp: Spare mit einer Prepaid-SIM-Karte vom Feriendomizil»).

21.06.2017
User sori

Toll, Danke!
Überlegt ihr zufälligerweise, deren SIM-Karten ins Sortiment aufzunehmen? ;)

24.06.2017
User Michelle Oehri

Hi sori
Wir würden an sich gerne solche PrePaid-Karten ins Sortiment aufnehmen. Jedoch ist der Prozess für deren Aktivierung seit dem 9/11 bzw. dem daraufhin verabschiedeten Anti-Terror-Paket der Bundesregierung erschwert: winfuture.de/news,92554.htm...
Wir müssten auch Käufer von PrePaid-Karten mit ID identifizieren. Zudem bräuchten wir die jeweiligen Anschlüsse von Provider Portalen, damit wir die SIM-Karten aktivieren können. Die Kosten für den IdentLog rechnen sich für uns leider so nicht. Die SWISS hat wohl Zugang zu ID-Daten von Passagieren. Im Ausland gelten diesbzgl. andere Gesetze, daher wird z.B. simlystore.com PrePaid-Angebote als E-Tailer anbieten können. Aber danke trotzdem fürs Interesse :)

30.06.2017
Antworten
User TheRev

Zitat: «allen Europäerinnen und Europäer Vorteile bringen wird»

Okay, wir Schweizer gehören nicht zu Europa und sind nicht Europäer.. Schweiz scheint ein eigener Kontinent zu sein? Oder wollen wir zu den USA? Finde es eine Frechheit von einem Politiker so eine Aussage zu hören..

21.06.2017
User vbonline

Schweizer gehören geografisch zu Europa. Europäer sind Mitglieder der EU.

21.06.2017
Antworten
User thurneysen

Als Tip für alle reisenden: Das IPad mit Apple Sim. Sobald man einmal in England die Sim benutzt hat, kann man immer neue Datenpakete zum lokalen Prepaidtarif buchen und in ganz Europa nutzen. So gibt es für £30 10gb.

19.06.2017
User Michelle Oehri

Hallo thurneysen
Vielen Dank für den tollen Tipp. Den werden bestimmt einige iPad-User schätzen. Gerne habe ich den Ratschlag im Artikel aufgenommen (unter «Tipp: Spare mit einer Prepaid-SIM-Karte vom Feriendomizil»).

21.06.2017
Antworten
User Randelung

Ein einfacher Weg, Kosten zu sparen, ist eine norwegische SIM zu kaufen und Roaming aus dem EU-Ausland ins EU-Ausland zu zahlen.

21.06.2017
User michaelstucki

Vodafone NL (anders als DE) bietet günstige Prepaid Tarife an. Der Clou dabei: Roaming ist nicht nur in der EU, sondern auch in der Schweiz möglich! 1 GB für 10 EUR, 3 GB für 20 EUR. Ausserdem wird schnelles 4G angeboten und Tethering ist erlaubt. prepaid-data-sim-card.wikia...

30.06.2017
User Finlayson

Wollte mir für Deutschland ein Congstar Prepaid SIM kaufen für das Telekom D1 Netz.
Das geht aber anscheinend nicht ohne LSV (Lastschriftenverfahren). Dazu fehlt mir ein deutsches Bankkonto. Mühsam.

02.10.2017
User Anonymous

Gerade in den Ferien gesehen: In Italien bekommt man jetzt ein PrePaid Abo inkl. 30GB internet, free SMS und free Telefon für Euro 6.99 von ho. moblie... wir könnten uns echt mal was abschneiden..

19.07.2018
User Anonymous

Wieso sollte man nicht kurz in ein Nachbarland fahren und dort beim Aldi für einen angenehmen EU-Aufenthalt eine Prepaid-Karte holen?

21.07.2018
User visu1893

"Möglichst Gratis-WiFi-Zonen aufsuchen" ist auch nicht wirklich empfehlenswert, Stichwort Datenklau. Bei kürzeren Ferien doch einfach getrost mal das Handy in Ruhe lassen :-)

20.06.2017
User Michelle Oehri

Hi visu1893
Da gebe ich dir recht. Der Punkt war etwas salopp formuliert. Ich denke auch, man muss gewisse Vorsichtsmassnahmen (z.B. blog.deinhandy.ch/ratgeber/...) beachten. Ist oben nun so vermerkt :)

21.06.2017
User ITWTOC22

Ebenfalls einige gute Vergleiche gibt es hier: handy-abovergleich.ch/mobil...

11.02.2018
Antworten
User damir77

schweiz wie immer hunde politiker

19.06.2017
User vali94

Was hat Roaming mit Hunden zu tun?
(Oder habe ich da etwas falsch verstanden?)

29.06.2017
Antworten