Es hat sich ausgetwintet
Hinter den Kulissen

Es hat sich ausgetwintet

Alex Hämmerli
Zürich, am 01.03.2020
Bilder: Thomas Kunz
Der Zahlungsdienstleister Twint hat uns seinen Service abgeschaltet. Der Grund: Wir wollten euch keine Gebühren oder versteckte Kosten zumuten.

Nun ist es passiert: Per Ende Februar hat uns der Schweizer Zahlungsdienstleister Twint seinen Service abgeschaltet. Ihr könnt auf digitec.ch und galaxus.ch ab sofort nicht mehr mit Twint zahlen.

Hier findet ihr unsere aktuellen Zahlungsoptionen.

Der Schritt hat sich seit Monaten abgezeichnet: Twint wollte uns eine Zahlungsgebühr aufzwingen, die bei einem Vielfachen des bisherigen Preises liegt. Wir haben uns geweigert, die Offerte anzunehmen. Schliesslich hätten wir die Mehrkosten auf unsere Kunden abwälzen müssen – über generell höhere Preise oder über eine nicht zeitgemässe Gebühr für Twint-Zahlungen.

Prinzip Giesskanne? Ohne uns!

Wir bedauern den Schritt von Twint. Twint war bis zuletzt nach Kreditkarte und Rechnung das drittpopulärste Zahlungsmittel der digitec- und Galaxus-Kunden. Im Jahr 2015 gehörten wir zu den ersten, die die neue Zahlungsoption anboten. Wir entschieden uns für Twint, weil das Unternehmen mit dem Anspruch antrat, sich als günstiges alternatives Zahlungsmittel zu etablieren. So war ursprünglich angedacht, dass man in der Twint-App nur das Bankkonto hinterlegen kann – nicht aber teure Kreditkarten. Es kam anders.

Ende Mai 2016 fusionierte Twint mit der Konkurrentin Paymit. Neu gehörten zu den Eigentümern von Twint nebst PostFinance auch die UBS, die ZKB, die Schweizer Börse SIX und der französische Zahlungsdienstleister Worldline. Nach dem Zusammenschluss wollte unnötigerweise jede Bank eine eigene Twint-App haben. Unter anderem diesen Extra-Aufwand wollen die Aktionäre nun durch die Preiserhöhung wieder hereinholen. Doch was können wir oder unsere Kunden dafür, dass Twint geschätzt eine halbe Milliarde für eine vereinfachte Banküberweisung verbrannt hat?

Zudem einigten sich die Twint-Eigentümer darauf, dass die den Händlern belastete Kommission teilweise an die Bank weitergereicht wird, deren App benutzt wird. Damit überhaupt Geld zum Verteilen da ist, war Twint noch stärker genötigt, seine Preise zu erhöhen. Dagegen haben wir uns gewehrt und bis heute nicht nachgegeben.

Wir wünschen uns ein entschlacktes Twint zurück, mit dem wir und vor allem unsere Kunden günstig bezahlen können.

Ergänzung am 2.3.2020

Twint hat uns in einem Communiqué am 1. März vorgeworfen, «unwahre Informationen» zu verbreiten. Insbesondere schreibt Twint-Chef Markus Kilb, das Unternehmen verlange im Vergleich zu Kreditkarten und anderen Zahlungsanbietern günstige Transaktionsgebühren. Gegenüber dem Newsportal Watson sagte Kilb: «Uns sind keine Fälle bekannt, in welchen Gebühren von Twint höher als Kreditkarten wären.» Dem Tagesanzeiger sagte Kilb zudem, dass Twint weiterhin offen sei, über eine faire Vergütung zu sprechen.

Tatsächlich verlangt Twint von Digitec Galaxus eine Zahlungsgebühr, die höher ist als die meisten bei uns genutzten Zahlungsoptionen. Selbst manche Kreditkarten sind bei uns günstiger als die Twint-Offerte. Und das, obwohl die Twint-Nutzer grösstenteils ihr Bankkonto hinterlegt haben – und nicht eine vermeintlich teure Kreditkarte. Wir finden: Twint hat im Onlinehandel nur eine Daseinsberechtigung, wenn die Dienstleistung klar günstiger ist als die der Kreditkarten.

Von Verhandlungsbereitschaft seitens Twint kann ausserdem nicht die Rede sein: Twint beharrt seit Monaten auf einem neuen, um Faktoren höheren Preis, der für uns nicht akzeptabel ist. Und das Unternehmen ist nicht zu einem Kompromiss bereit. Twint hatte uns 2015 mit dem Versprechen überzeugt, dass sie als Debitlösung mit günstigeren Konditionen gegen die hohen Kreditkartengebühren antreten wollen. Dieses Versprechen konnte Twint nun leider nicht mehr einlösen. Weil wir den neuen Vertrag nicht annehmen wollen, hat uns Twint seinen Service abgeschaltet.

Wir sind für Gespräche mit Twint weiterhin offen. Wir bedauern, dass eine für unsere Kunden beliebte Zahlungsoption weggefallen ist.

3621 Personen gefällt dieser Artikel


Alex Hämmerli
Alex Hämmerli
Senior Public Relations Manager, Zürich
Ich bin bei digitec und Galaxus zuständig für den Austausch mit Journalisten und Bloggern. Gute Geschichten sind meine Leidenschaft; deshalb bin ich immer auf dem neusten Stand.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren