Bad News: USA und Huawei sind sich immer noch nicht einig

Bad News: USA und Huawei sind sich immer noch nicht einig

Dominik Bärlocher
Zürich, am 21.10.2019
Die USA sind nach wie vor nicht in der Lage, die Handelssanktionen gegen den chinesischen Konzern Huawei zu lockern. Eine zweite und voraussichtlich letzte Ausnahmebewilligung läuft aus.

Die guten News zuerst: Wenn auf deinem Huawei Smartphone die Google Services laufen, dann werden die auch bis zuletzt laufen. Sie werden nicht so einfach verschwinden und per Update weggenommen. Sie werden nicht deaktiviert oder sonstwie abgeschossen.

So, jetzt weiter mit den schlechten Nachrichten.

Die USA und das Regime des amtierenden Präsidenten Donald Trump machen Huawei weiterhin das Leben schwer. Nachdem der chinesische Konzern wegen Sicherheitsbedenken auf der sogenannten Entity List der USA gelandet ist, dürfen US-amerikanische Konzerne keinen Handel mehr mit Huawei treiben. Bisher sind zwei Ausnahmebewilligungen von je 90 Tagen gesprochen worden, aber die letzte dieser Bewilligungen läuft aus. Eine dritte Bewilligung ist nicht in Sicht.

Zurück zu den guten Nachrichten: Huawei kann weiterhin mit Android arbeiten.

Es gibt eine Alternative: Android

Foren, News-Artikel und andere Publikationen malen den Teufel an die Wand: Huawei darf Android nicht verwenden. Diese reduktive Aussage ist nach wie vor falsch. Richtig ist: Huawei darf die Google Play Services nicht mehr «Out of the Box» mitliefern. Das klingt aber nicht halb so sexy wie die Schwarzmalerei und bringt wohl auch nicht die Klicks, die der moderne Online-Journalismus fordert.

Denn Android als Betriebssystem ist offen und gratis. Das heisst Android Open Source Project (AOSP). Du kannst es dir selbst unter source.android.com runterladen und deine eigene Android-Version basteln. In dieser reinen Version sind die Google Services auch nicht miteingebaut, denn Android ist nicht gleich Google Services.

Natürlich gehören die Google Services zu den meistverwendeten Diensten auf deinem Phone. Da ist der Google Play Store, Google Maps oder Google Keep.

Der Grund, weshalb Huawei und die Online-Presse die Situation lamentieren, ist der, dass Huawei gerne an AOSP mitwerkeln will. Bisher ging das gut. Ferner sind die Google Play Services, so ist sich die Weltöffentlichlkeit allem Anschein nach einig, ein entscheidendes Kaufargument bei einem Smartphone.

Dennoch: Huawei kann auf unbegrenzte Zeit Android-Phones auf den Markt bringen.

HarmonyOS in weiter Ferne

Huawei bereitet sich dennoch auf einen Android-Exit vor. Denn keiner zwingt Huawei dazu, an Android festzuhalten. Der aktuelle Kurs des Unternehmens ist aber der, dass Android das bevorzugte Betriebssystem ist. Die Entwicklung der Alternative, HarmonyOS, geht weiter voran.

Das liegt nicht nur daran, dass die USA den Chinesen das Leben schwer machen, sondern auch daran, dass Android sich so langsam aber sicher dem Ende seiner Möglichkeiten nähert. Denn Android ist im Zeitalter des Internet of Things (IoT), in dem alles ein bisschen smart wird, vom Mixer bis zum Auto, je länger je unzureichender. Google selbst arbeitet an einem Projekt, das weitläufig als Nachfolger Androids gilt. Das Teil heisst derzeit noch Fuchsia (Englisch ausgesprochen «Fuu-scha») und ein Veröffentlichungsdatum ist nicht absehbar. Die offizielle Dokumentation gibt auch nicht viel her, aber es wird davon ausgegangen, dass Fuchsia ein Betriebssystem sein wird, das auf allerlei IoT-Geräten laufen wird.

HarmonyOS bläst da ins selbe Horn und wird demnächst auf einem Fernsehgerät ausgerollt. Eine Adaption auf Smartphones sei noch ausstehend. Huawei arbeitet aber an einem Gesamtkonzept, die Supply Chain zu entamerikanisieren.

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Ein Blick auf das Mate 30 Pro

Die grosse Frage, die nach wie vor im Raum steht, ist die der Google Services auf dem kommenden Flaggschiff Huaweis, dem Mate 30 Pro. Auch hier jagt eine reisserische Geschichte die nächste. Workarounds sollen da und dort auftauchen, wieder offline genommen werden oder gar virenverseucht sein.

Nach wie vor reden wir hier von Android. Es ist höchstwahrscheinlich möglich, die Play Services ohne mehr oder weniger dubiose Workarounds und Online Services nachzurüsten. Sobald ich eines dieser Geräte bei mir auf dem Tisch habe – Huawei, ich weiss, ihr lest das und, ja, das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl –, werde ich mich dem widmen.

So. Fertig. Wie Douglas Adams einst so schön gesagt hat: «Don't panic».

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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